Puller-Alarm in Edewecht! Am 4. und 5. August fand in der Gemeinde im Ammerland der Lauf zur Deutschen Meisterschaft im Tractor Pulling statt. Seit über zehn Jahren strömen Anfang August Tausende von Zuschauern nach Edewecht, um die wohl stärkste Motorsportvariante live zu erleben. Tractor Pulling ist ein Zugkraftwettbewerb, bei dem es darum geht, den stärksten Traktor, den geschicktesten Fahrer und das beste Team zu ermitteln. Auf einer 100m langen und 10m breiten Wettkampfbahn aus Lehm-Sand wird ein sogenannter Bremswagen von den einzelnen Traktoren gezogen. Die etwas unangenehme Eigenschaft des Bremswagens ist: Je weiter er gezogen wird, desto schwerer lässt er sich ziehen. Der Bremswagen hat hinten Räder und vorne eine Kufe wie bei einem Schneeschlitten. Auf dem Rahmen läuft ein Gewichtsbehälter von hinten nach vorne. Am Anfang des Rennens ist dieser Behälter noch hinten über den Rädern, die Kufe vorne berührt kaum den Boden. Wird der Bremswagen aber nun nach vorne gezogen, treiben seine Hinterräder den gewichtigen Behälter nach vorne, so dass die Kufe vorne immer weiter runtergedrückt wird. Am Ende der Piste liegt das Gewicht mit voller Last auf der Kufe, sodass sich der Bremswagen kaum noch ziehen lässt und letztendlich ganz zum stehen kommt. Gewonnen hat der Fahrer, der den Bremswagen mit seinem aufgemotzten Traktor am weitesten gezogen hat, die Geschwindigkeit spielt dabei keine Rolle. Angetreten wird in verschiedenen Klassen. Angefangen vom kleinen Rasenmäher-Traktor, über normale Traktoren bis hin zu 9.000 PS starken Maschinen. Tobias Willmann hat mit seinem ISOTOV 2-Traktor in der sogenannten ‚freien Klasse’ den Vorlauf zur Deutschen Meisterschaft gewonnen. Worauf kommt es eigentlich an, wenn man an einem solchen Rennen teilnimmt?
Tobias Willmann:“Ja, man muss die Leistung, die man zur Verfügung hat, vernünftig umsetzen. Man muss vernünftig mit dem Gas umgehen können und die Leistung dann auch wirklich auf die Bahn bringen. Der Traktor ist ein kompletter Eigenbau angetrieben von zwei russischen Hubschrauber-Turbinen mit einer Gesamtleistung von insgesamt 4.000 PS und einer Hinterraddrehzahl von ca. 140km/h. Die Turbinen laufen mit Kerosin.”
In der freien Klasse werden keine normalen Motoren benutzt, sondern z.B. V12-Motoren aus Flugzeugen, Panzern, Hubschrauberturbinen oder auch V8-Motoren aus dem Dragster-Sport. Organisiert wird das Spektakel in Edewecht vom ‘Trecker Treck Verein’. Angefangen hat alles ganz zufällig mit einer Wette. Manfred Hinderks ist der Pressesprecher des Vereines:
Manfred Hinderks: “Angefangen hat das Ganze am 8. April 1986 mit einer Wette zwischen zwei befreundeten Landwirten. Das war Jux und Tollerei und ist aus einer Disko-Laune heraus entstanden. Das fand hier in der Nähe in Edewecht auf so einem Acker statt. Als Bremswagen diente ein Tieflader, wo man denn den Bremsschlauch abzog, sodass der Tieflader dann bremste.”
Was fasziniert die Zuschauer an diesem Rennsport?
Zuschauer: “Ja, die Motoren und wie die Trecker aussehen, das ist das interessante dabei, was die für Leistungen bringen und solche Sachen. Doch, das ist sehr interessant für mich, ich mag das gerne!”
Zuschauerin: „Ich finde das selber auch ganz interessant! Ich guck mir das auch mal gerne an! Das ist schon ein ernst zu nehmender Sport, da steckt viel dahinter!“
Zuschauer: „Ja, die PS-Leistung und das ganze insgesamt, einfach nur schöne Motoren, schöner Klang, einfach wunderbar!“
Zuschauer: „Ich bin gelernter Landmaschinenschlosser und arbeite bei der Firma ‚John Deere’ hier im Ort und deswegen sind wir auch hier!“
Zahlreiche Bierstände, Wurstbuden und sonstige Verzehrstände sorgten dafür, dass die zahlreichen Besucher bei strahlendem Sonnenschein und hohen Temperaturen kulinarisch verwöhnt wurden. Das Rennen in Edewecht war auch international besetzt.
Manfred Hinderks: “Wir laden international mit ein, da legen wir auch sehr viel Wert drauf, denn Tractor-Pulling-Sport ist sozusagen länderübergreifend. Die verschiedenen Nationalitäten sind auch hier in Edewecht vor Ort. Das beginnt mit den Niederlanden, dänische Traktoren sind da, Liechtenstein ist auch da, wir haben also verschiedene Länder, die hier da sind und das finde ich das Tolle daran, dass das nationalitäten-übergreifend auch gesehen wird!”
Insgesamt finden in diesem Jahr neun Veranstaltungen dieser Art im gesamten Bundesgebiet statt und gehen in die Wertung zur deutschen Meisterschaft ein. Am Samstag Abend feierte man dann noch die beliebte „Puller Party“. Eine gute Gelegenheit für die Fans, die Traktor-Fahrer einmal hautnah kennen zu lernen.
Am 11. August wurde in Rodenkirchen in der Wesermarsch gesponnen, was das Zeug hielt. Nicht nur das, in der ‘Hengsthalle’ am Marktplatz fand ein ‘öffentliches Ausmessen’ mittels einer ‘Meßlatte’ statt. Ein Schelm, wer hierbei an Schlüpfriges denkt! Ganz im Gegenteil! Es ging um alte Traditionen, über Generationen gepflegtes Handwerk und jede Menge Schafe und Schafwolle. Alles begann bereits um 9:30. Der Landesschafzuchtverband Weser-Ems, der Stader Schafzuchtverband e.V., der Verkehrsverein Stadland e.V. und die Gemeinde Stadland II sowie der Oldenburgische Deichverband veranstalteten die „Nordwestdeutschen Spinnmeisterschaften“. Zu gewinnen gab es als ersten Preis 150 EUR und einen Wanderpokal, 100 EUR für den zweiten Platz und immerhin noch 50 EUR für den Drittplatzierten. Was musste man tun, um hier siegreich zu sein? Gretel Bartels vom Seelfelder Spinnkreis:
Gretel Bartels: “Es waren 46 Teilnehmer und innerhalb von 1 ½ Stunden waren die 46 Teilnehmer durch. Und zwar ging es darum, aus zehn Gramm Wolle den längsten Faden zu spinnen und das ganze innerhalb von einer viertel Stunde. Wer den längsten Faden spinnt! Das sind gut 50 Meter gewesen aus nur zehn Gramm Wolle. In diesem Jahr hat ein Ehepaar am Wettbewerb teilgenommen, die sind zur Zeit im Urlaub hier und die haben ihre Spinnräder mitgebracht, weil sie wussten, dass hier die Spinnmeisterschaften stattfinden. Beide haben den ersten und zweiten Platz gemacht! Dann haben sie sich für das nächste Jahr gleich wieder angemeldet, sie kommen aus Hildesheim! Das ist schon sagenhaft, oder?”
Teilnehmen konnte jeder aus der Region Nordwestdeutschland. Ein Spinnrad mit leerer Spule musste mitgebracht werden. Um Chancengleichheit zu gewähren, wurde die Schafswolle in einem Umschlag verpackt und ausgelost. Jeder musste dann nach der Wettkampfzeit seinen Faden öffentlich vor dem Publikum mit einer Messlatte ausmessen. Was ist an Schafwolle eigentlich so besonderes? Vera Knippenberg von der Wollmanufaktur Cappel:
Vera Knippenberg: “An Schafwolle? Das ist ein Naturprodukt und es ist im Grunde genommen relativ preisgünstig zu bekommen und ich sag es mal so: Wenn man jetzt eine Faser hat, die natürlich erzeugt worden ist, die man hat, die einfach da ist, dann muss man keine künstlichen Fasern mehr herstellen. Die Faser nimmt unheimlich viel Feuchtigkeit auf, ohne, dass sie sich feucht anfühlt, wenn man sie auf der Haut trägt. Und sie reinigt sich praktisch selber. Wenn ich jetzt einen Pullover stricke aus naturbelassener Wolle - das ist immer wichtig, dass sie nicht behandelt worden ist mit irgendwelchen Mitteln - dann muss ich diesen Pullover gar nicht oft waschen. Wenn ich den einmal im Jahr wasche, das ist völlig OK. Aber ansonsten schüttel ich den aus, häng den in den Nebel oder draußen hin und der regeneriert sich dann selber, der lüftet sich sozusagen selber, der stinkelt nachher nicht mehr. Außerdem weiß ja jeder, dass Schafwolle Wärme hält. Die fühlt sich ja sofort warm an, wenn man die Hand drauf hält, das ist wunderschön! Schafwolle lässt sich unheimlich gut verarbeiten, filzen, spinnen, verstricken, verweben, wir können alles mit der Hand damit machen, wir brauchen noch nicht mal ein Spinnrad, wir können das mit einer Spindel machen. Es ist leicht und schnell zu verarbeiten. Schafwolle brennt nicht, ein wunderbares Naturprodukt.”
Anhand eines alten Spinnrades zeigte sie den Besuchern, wie man richtig spinnt. Ist dieses alte Handwerk eigentlich schwer zu erlernen?
Vera Knippenberg: “Jein. Ich gebe auch Spinnunterricht und ich habe Schüler gehabt, die nach zwei Stunden gesponnen haben wie ein alter Hase! Ich hab aber auch welche, die nach zehn Tagen das immer noch nicht hinbekommen haben. Es ist so wie bei allem, was man lernt, wenn man es kann, dann sieht es auch spielend leicht aus, das ist ganz einfach so. Es ist nicht einfach zu lernen, es ist nicht einfach, man muss die Lust dazu haben, man muss auch erst mal die Faser kennen lernen und man muss nicht direkt am Spinnrad anfangen, sondern erst mal gucken, was macht die Faser, wenn ich jetzt drehe und ziehe und so lernt man dann spinnen und ein Spinnrad zu bedienen. Ein Spinnrad ist ein technisches Gerät, eigentlich hochtechnisch, wenn man so will. Dabei ist das Rad vor 100 Jahren genau so gewesen. Wenn man es heute bedient, man kann so viel dran verstellen, man muss immer auf die Faser sich einstellen mit dem Spinnrad. Jede Wollfaser spinnt sich anders ein, und man ist auch nicht an jedem Tag gut drauf! Manchmal flutscht es und manchmal überhaupt nicht! Das passiert mir auch!”
Gretel Bartels trifft sich regelmäßig mit ihrem Seelfelder Spinnkreis und dann wird gemütlich ein Runde gesponnen.
Gretel Bartels: “... Tee-Trinken - wir machen regelmäßig eine Teepause, dann gibt es Rooibos-Tee und kleine Kekse, oder jemand backt mal einen Kuchen und gibt ihn aus. Einfach eine halbe Stunde Pause, und dann geht’s wieder weiter! Wir spinnen immer von halb acht bis halb zehn. Seit acht Jahren besteht dieser Spinnkreis. Bei mir ist es daher gekommen, ich habe während der Zeit, als ich noch gearbeitet habe, bei einem ehemaligen Spinnkreis mitgemacht und der löste sich dann auf. Und als ich dann in Rente ging, habe ich selber wieder einen neuen gegründet.”
Für einen Außenstehenden mag es langweilig aussehen, aber für die Beteiligten ist das spinnen doch spannend, oder?
Gretel Bartels: “Ja, ist es auch! Weil wir verschiedene Wollarten verspinnen. Es ist immer wieder interessant zu gucken, wie das Garn wird. Ob man es nun selber gewaschen hat oder fertig gekauft hat, egal wie die Wolle ist, wir verspinnen die selber und können dann das Endprodukt selber bestimmen. Ob wir nun dicke Wolle haben, dünne, genoppte, harte oder weiche Wolle - das ist das interessante dabei! Man kann, wenn man so am Spinnrad sitzt, zu Hause fernsehen, am Kamin sitzen oder sich in der Gemeinschaft unterhalten, das ist alles sehr schön! Jeder weiß was zu erzählen, das Spinnen ist so entspannend, als wenn man am Wasser sitzt!”
Die fertig gesponnene Wolle wird natürlich auch weiter verarbeitet zu Jacken, Pullover, Socken, Hüttenschuhe, Ponchos, Schals, Taschen usw. Die so gefertigten Produkte werden weiterverkauft:
Gretel Bartels: “Wir sind ganz viel auf Ständen vertreten, so wie heute bei den Spinnmeisterschaften. In Ovelgönne sind wir auf dem Altmarkt, 100-jähriges Bestehen eines Bauernhofes, da sind wir auch, und nehmen unsere Sachen dort mit hin. Hier haben wir auch Weihnachtsmärkte, wo wir auch wieder hingehen um zu spinnen, aber auch um unsere Produkte anzubieten. Übrigens arbeiten wir auch auf Bestellung! Wenn die Leute wissen, was sie haben möchten, wie es aussehen soll, aus welcher Wolle, dann machen wir das natürlich auch nach Wunsch! Ein Pullover oder eine Jacke kostet dann zwischen 60 und 85 Euro. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass wir die Wolle selber waschen, kadieren (kadieren heißt kämmen), verspinnen und dann verarbeiten zu einem fertigen Produkt, also, da kommt man mit 100 Arbeitsstunden pro Teil nicht mehr hin! ”
Auf der Auktion am Nachmittag kamen dann Dutzende Schafe unter den Hammer.
Auktionator: „So, Einser-Bock! Auch hier: 300 Euro! 320, 320, 320, 320, 320, 320, 320, 320... Einser-Bock! Aufgepasst! 320! Und 320! Und 320 zum Ersten! Und 320 zum zwoten - ach, ich möchte etwas mehr! Das ist ein Einser-Bock, meine Damen und Herren! 320! Und 320 zum Ersten! 320 zum Zwoten! Und 320 .... zum ... <Hammer fällt>“
Ein Schäfer brachte sein Schaf vorher noch mal eben auf Hochglanz:
Schäfer: „Ja, der soll versteigert werden! Er hat sich gerade schmutzig gemacht, und ich versuche das wieder zu reinigen! Man muss jetzt unterscheiden, ob es jetzt gerade Dreck ist, den kann man ja wieder weg machen! Es geht um die Wollqualität. Die Funktion der Wolle ist ja, dass sie Wetterschutz bietet, damit die Schafe auch im Winter draußen laufen können. Die müssen bei Wind und Wetter am Deich stehen und den Winden und Regen und Sturm trotzen. Deshalb ist die Wollqualität wichtig, weil es eben Witterungsschutz ist. Das ist ein Bock. Der Bock wiegt 106kg.”
Was könnte dieses Schaf bei der Auktion bringen?
Schäfer: “Oh! Erwarten tue ich ganz viel, ich erwarte 2.000 Euro und freue mich, wenn ich 300 bekomme! Da muss man mit zufrieden sein! Angemessen sind vielleicht 400, ja, 400 wären angemessen, aber wir hier in der Wesermarsch sind ja bescheidene Leute und sind dann auch zufrieden! Das ist ein Hobby. Der Aufwand ist wesentlich höher, den man betreiben muss, Geld kann man da nicht mit verdienen.”
Ein Schäfer aus Stade erklärt, worauf es bei der Auktion ankommt, wie ein Tier beschaffen sein muss, damit es einen guten Preis erzielt:
Schäfer aus Stade: “Erst mal muss er zwei Käufer haben, die den Preis hochtreiben. Und natürlich muss er gute Beine haben, dass er gut auf den Fundamenten steht, die Beine müssen in Ordnung sein. Die Wolle muss einigermaßen in Ordnung sein und Fleisch muss dran sein. Fleisch ist das wichtigste, was wir heutzutage am Schaf haben, denn die Wolle kostet nichts mehr. Die Wolle ist natürlich stumpf, wenn das Schaf krank ist, aber auch die Augen sind wichtig, die ganze Erscheinung. Wenn das Schaf nicht gesund ist, hängt es rum, lässt die Ohren hängen und fühlt sich im Ganzen nicht wohl. Wir züchten Herdbuchschafe, Schwarz- und Weißköpfe. Unsere laufen nicht auf dem Deich, weil wir keinen Deich vor der Haustür haben, aber unsere laufen auf der Weide, auf Grünland, da leben die. Wir hatten Restgrünland, welches es zu pflegen galt und was nicht zu verpachten war und so haben wir uns irgendwann entschieden, Schafe zu halten, die das alles ein bisschen sauber fressen. Schafe sind relativ arbeits-extensiv und mit relativ wenig Aufwand zu betreiben - im Gegensatz zu Kühen und Milchkühen. Schafe zu halten ist relativ einfach!”
Auf der Veranstaltung war natürlich noch einiges mehr zu sehen. Einige Aussteller boten Produkte rund ums Schaf, Felle, Schuhe, Schafskäse, Schalssalami uvm. Auch bei Tisch während der Mittagszeit durften ‘Schafvariationen’ nicht fehlen, so reichte man einen Lammgrillteller mit Lammkotelett, Lammbratwurst, Lammfrikadelle, Lammsteak mit Krautsalat, dazu Kartoffelspalten und Tzaziki. Lecker Lamm!
Ein Kind verbrachte die Ferien in Rodenkirchen und half dabei, die Schafe in die Auktionshalle zu führen. Auf die Frage, was so ein Tier bei der Auktion wohl einbringen wird, antwortete es:
Kind: “Geld!”
Ein weises Kind. In jeder Hinsicht, denn der kleine Bengel trug einen Pullover aus Schafswolle. Die Faser ist giftfrei, hautfreundlich, elastisch, wärme- und feuchtigkeitsausgleichend, schmutz- und wasserabstoßend, schwer entflammbar, leicht zu reinigen und knitterfrei, wiederverwendbar und 100%ig biologisch abbaubar. Das alles kann Schafswolle - Ein Wunder und Geschenk der Natur.
Die Deutschen lieben das Grillen, Grillabende und Grillpartys. Komisch, denn nüchtern betrachtet können derartige Veranstaltungen ganz schön nervig sein! Bei mir im Studio ist jetzt Ulli Bernstorf aus der Oeins Hörfunkredaktion zu Gast, und wir sprechen über das Thema: „Die Grillparty - Ein Abend voller Entbehrungen!“
Oli: „Ulli, wir beiden haben es ja mit den Grillpartys, das ist nicht unsere Lieblingsveranstaltung, oder?“
Ulli: „Nein, es ist des deutschen Mannes Lieblingsveranstaltung im Sommer habe ich stark den Eindruck! Aber, nicht nur von Männern, es ist einfach der deutsche Volkssport im Sommer!“
Oli: „Wir waren letzten Samstag zu einer Grillparty eingeladen. Um 19 Uhr sollte es losgehen, wir hatten Hunger ohne Ende, doch es war noch nicht mal Kohle auf dem Grill! Ulli, wie kann so was sein?“
Ulli: „Also, wenn man zu einer Grillparty eingeladen ist, sollte man auf eines achten: Man sollte immer gut gegessen haben! Die Leute reden sich raus: ‚Ja, wir wissen nicht, wie viele kommen und das wollen wir erst mal sehen!’ - Das kann man aber leider erst im Laufe des Abends sehen! Also, es hat natürlich niemand rechtzeitig die Grillkohle angefeuert und - wenn dann angezündet wird - meist zu hektisch, mit viel zu viel Grillanzünder - dann stinkt das gewaltig!“
Oli: „Genau! Es werden Unmengen an Grillanzündern benötigt, es wird gefackelt, bis der halbe Garten in Flammen steht und endlich endlich irgendwann glüht dann auch mal die Kohle! Die Klamotten! Weißt Du? Die sind dann irgendwann durch die umherfliegenden Rußpartikel vollkommen eingesaut und um die Wartezeit zu überbrücken, trinkt man denn ja gerne erst mal ein Bier! Aber, da sind wir schon beim nächsten Problem, Ulli, oder?“
Ulli: „Das Bier auf Grillpartys ist immer und grundsätzlich zu warm! Es wird eine billige Marke herausgekramt, die, die im Supermarkt gerade im Angebot ist, und das ist natürlich nicht die Premium-Marke, die man gerne hätte! Und nur die allerwenigsten verfügen über einen Kühlschrank im Garten! Also, es ist immer zu warm! Das einzige, was man noch erwarten kann, ist, dass irgendjemand eine alte Blechwanne rausstellt und das Bier wenigstens wassergekühlt ist, aber das bringt bei Lufttemperaturen von 28 Grad auch nicht wirklich viel! Vor allem, weil es dann als erstes schon runtergestellt wird und somit ist das Bier immer handwarm!“
Oli: „Ja, und während man dann dieses handwarme lauwarme Bier vor sich hin trinkt und wartet, glüht irgendwann die Kohle ja auch endlich mal, aber es dauert dann noch mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde, bis das erste Stück Fleisch überhaupt gar ist! Ich habe immer so die Erfahrung gemacht: Fleisch auf Grillpartys ist immer stark durchwachsen, fettig, viel zu dick das Ganze! Mir ist schleierhaft, wo die Menschen das Fleisch kaufen! Magst du das eigentlich, wenn das Fleisch so fettig ist?“
Ulli: „Ich mag es persönlich überhaupt nicht so! Oftmals ist es ja auch bretthart! Auf jeden Fall oft und immer viel zu groß! Ich glaube, die Leute gehen vorher mit dem großen Hunger einkaufen und schaffen sich diese Monsterportionen ran! Jedenfalls dauern diese großen Fleischstücke besonders lange bevor sich durch sind, und es ist fast immer zu durchwachsen!“
Oli: „Das nächste Problem ist ja das Geschirr, Ulli, wir müssen über das Geschirr sprechen! Wobei man eigentlich nicht von ‚Geschirr’ sprechen kann, weil, das ist immer eine Ansammlung von Plastik und Papptellern was man in die Hand gedrückt bekommt!“
Ulli: „Plastikbesteck und Pappteller! Die Leute zäumen das Pferd von hinten auf, sie denken: ‚Praktisch!’ - Man kann dann einen großen Müllsack hinhängen, um den sich dann nachher auch schön viele Fliegen, Bienen und ähnliches Getier gruppiert, aber man kann seinen Müll dann praktischerweise hineinwerfen. Es gibt also fast immer nur Pappteller und Plastikbesteck mit dem man das Gegrillte konsumieren kann - sofern man denn einen Platz findet!“
Oli: „Ich wollte es gerade ansprechen: Hast du denn auf Anhieb einen Platz bekommen?“
Ulli: „Natürlich nicht! Man steht dann da mit seinem handwarmen Bier, unterhält sich irgendwie und wird eigentlich viel zu schnell betrunken. Inzwischen sind die zwei bis drei Plätze, die an dem Tisch für acht Personen noch frei sind zum essen längst besetzt, denn eigentlich ist immer viel zu wenig Platz auf diesen kleinen Gartentischen, denn da stehen ja diese riesigen Salatkummen!“
Oli: „Stichwort: Salate! Da haben wir natürlich auch wieder schlechte Erfahrungen gemacht! Denn es gibt immer die ewig gleichen Salate! Genauso handwarm wie das Bier, weil die Salate stehen dann dort ja auch schon sehr lange und es sind immer die gleichen, schlecht schmeckenden Salate, oder?!“
Ulli: „Immer zu wenig gewürzte Nudelsalate, immer der große Bottich Kartoffelsalat. Dann sagen die einen schon: ‚Mit Ei - esse ich nicht!’ oder: ‚Ohne Ei - esse ich nicht!’ - Egal! - Die wärmen natürlich auch gut an! Aber, wenn ich ehrlich bin, Kartoffelsalat ist das, was einen über den Abend rettet!“
Oli: „... da hat man dann zumindest schon mal etwas, um den größten Kohldampf etwas zu besänftigen! Aber das sind ja auch häufig diese Partys, wo jeder etwas mitbringen soll. Da sagt der Veranstalter vorher, bringt mal irgendwas mit und dann haben die meisten Leute ja überhaupt keine Zeit und überhaupt keinen Bock, zu Hause selber was Kreatives zu machen! Nein, sie rennen in den nächsten Supermarkt und greifen halt nach einem Kartoffel- oder Nudelsalat und deshalb hat man später auf der Party Dutzende Kartoffel- oder Nudelsalate, die dann natürlich auch alle gleich schmecken!“
Ulli: „... und die irgendwo stehen müssen!“
Oli: „... ja!“
Ulli: „Das ist ja das Problem, dieses Sammelsurium von tupper-ähnlichen Gefäßen, die dann wirklich alles blockieren und auf den Fußboden ins Gras mag man es ja auch nicht stellen! Da kann man sich schon besser selbst ins Gras setzen, weil, Stühle gibt es auch immer zu wenig auf Grillpartys!“
Oli: „Ja, das finde ich immer erstaunlich, dass die Gastgeber 30 Leute einladen aber nur zehn Stühle haben! Das scheint planungstechnisch immer etwas in die Hose zu gehen! Was ich auch ganz schlimm finde, ist, dass der Grill meistens auch viel zu klein ist bzw. viel zu klein für die vielen Gäste! Das heißt, ein gemeinsames essen ist ja auch gar nicht möglich, sondern es ist immer ein hektisches hin und her Gerenne, oder?“
Ulli: „Die einen sitzen, die anderen stehen, einer muss immer zum Grill. Wenn man Glück hat, macht einer den Grill-Master und legt regelmäßig auf und geht da gar nicht weg - da muss man höflicherweise natürlich gelegentlich zu ihm hingehen, ihm Mut machen, einen Schluck Bier abgeben und so weiter, aber wenn dann alle zusehen, dass auch die Tofu-Würstchen in einem anderen Zeittakt gedreht werden müssen, als die normalen Würstchen, dann hat man auch da immer hektische Betriebsamkeit! Jedenfalls hat man kaum mal die Chance, neben Jemanden vier Minuten ruhig zu sitzen, das ist richtig!“
Oli: „ Welche Tipps können wir geben? Sollte man Grillpartys gänzlich meiden, Ulli, oder sollte man vorher gut gegessen haben? Was können wir den Hörern abschließend sagen?“
Ulli: „Vorher gut essen! Vielleicht selbst eine Kühltasche mitbringen, damit man zumindest kleine Mengen an Bier auf Vorrat für sich und seinen Partner auf Vorrat kühlen kann. Keine Kinder! Keine Hunde! Vielleicht selbst einen Garten-Klappstuhl mitbringen, nicht erwarten, dass man an einem Tisch sitzen kann, sondern einfach auf dem Schoß essen und generell einfach die Zeit, die man sich dort aufhält, stark beschränken!“
Oli: „Was ich immer mache in der letzten Zeit immer mache: Ich bringe mir einen Porzellanteller mit und eigenes Besteck! Richtiges, schönes Besteck! Weil, dieses Plastikbesteck, Ulli, das geht überhaupt nicht! Finde ich!“
Ulli: „Vladimir Kaminer hat einmal von seinem Balkon aus am Helmholtzplatz in Berlin beobachtet, wie Ost- und West-Grillen geht, kennst du das?“
Oli: „Nein!“
Ulli: „Ost-Grillen ist: Eine große türkische Familie, ein restaurantfähiger Großgrill und - er hat es so beschrieben - zwei bis drei Männer, acht Frauen, 16 Kinder toben drum herum und dann wird nachts um halb zwei noch mal das letzte Schwein geschlachtet! West-Grillen geht eher so: Es steht ein Spielzeuggrill herum, drei bis vier Typen und sechs Hunde, dafür keine Kinder und nur zwei Frauen - aber die können beide jonglieren!“
Oli: „Is’ richtich!! :) - Ulli Bernstorf, vielen Dank für das Gespräch!“
Im Sommer gehört es zum männlichen Lifestyle: Das Grillen. Das muss sein. Das ist cool. Ach ja, und schmecken tut es auch. Das Gegrillte. Warum Männer so gerne grillen und warum dabei Tradition ganz groß geschrieben wird, das weiß Alexander Marguier von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Oli: „Hallo, Herr Marguier!“
Alexander Marguier: „Hallo, guten Tag!“
Oli: „Herr Marguier, was bedeutet Grillen für den Mann?“
Alexander Marguier: „Was bedeutet Grillen für den Mann? Wahrscheinlich etwas sehr Archaisches – Mann, Fleisch, Feuer – da werden Urinstinkte bedient, die man an einer Mikrowelle eben einfach nicht befriedigen kann. Aber brennen sollte es eben schon und deswegen ist der Gasgrill die zweite Wahl und vom Elektrogrill will ich jetzt überhaupt nicht reden. Das ist eigentlich völlig indiskutabel.“
Oli: „Früher nur Feuer und Rost: Wie sehen Sie denn aus die heutigen Hightech-Grills?“
Alexander Marguier: „Also, Hightech ist das eigentlich nicht, denn Hightech und Grillen - das schließt einander aus, man will ja gerade Lowtech haben. Aber es gibt ja in Amerika seit den 50er Jahren schon den so genannten Kugelgrill, und das ist eigentlich die letzte große Innovation im Holzkohlegrillen gewesen. Das funktioniert einfach so, dass man einen Deckel auf den runden Grill tut, und der schützt nicht nur vor Regen und Wind, sondern sorgt auch für eine begrenzte und kontrollierte Sauerstoffzufuhr und das verhindert nämlich diese lästigen Stichflammen, die einem regelmäßig das Grillgut verkokeln.“
Oli: „Was haben sich die Hersteller heute Neues einfallen lassen?“
Alexander Marguier: „Ach, heute hat man sich alles Mögliche einfallen lassen, ja im wesentlichen Natürlich-Grillen mit Gas und Grillen mit elektrischem Strom. Das funktioniert auch ganz gut, aber der wirkliche Griller – und wir hatten es ja gerade mit dem Archaischen, das befriedigt werden soll – der wird sich darauf nicht einlassen. Und der wird auf eine offene Glut, und auf Feuer und ein bisschen Rauch nicht verzichten wollen.“
Oli: „Wie viel kosten Grills derzeit?“
Alexander Marguier: „Die Kosten sind teilweise erheblich, teilweise sehr gering. Sie kriegen einen vernünftigen Grill mit Sicherheit schon für 120 Euro und wenn sie sich was wirklich Tolles anschaffen wollen, nämlich beispielsweise einen so genannten ‚Barbecue Smoker’ - der sozusagen indirektes Grillen bei Niedrigtemperatur gewährleistet und eine ganz fantastische Fleischqualität hervorbringt - sollten sie mit mindestens 2000 Euro rechnen können, aber gut und gern auch 8000 Euro dafür ausgeben.“
Oli: „Herr Marguier, vielen Dank für das Gespräch!“
Bei den “Fun-Facts” handelt es sich um eine neue 11teilige Serie auf Oeins. Sie werden gesprochen und recherchiert vom neuen Oeins-USA-Korrespondenten Marc Voss. Ann-Kathrin Büüsker arbeitete als “weibliche Stimme” mit. Produziert wurde die Serie von Oliver Rosenthal in den Hörfunkstudios von Oeins. Ab sofort gibt’s in jeder Ausgabe von OLi’s Abendshow eine neue Folge! Viel Spaß dabei! :)
Hilfreiche Tipps zu diesem Thema:
Fun Facts jetzt über YouTube hören - Klicken Sie auf “Play”: